30.09.2013

Gemeinsame Großübung

Die Katastrophenschutzeinheiten im Kyffhäuserkreis hatten am Freitag eine Großübung abgehalten, kn berichtete bereits. Hier jetzt eine Auswertung der Übung, die kn erreichte.

Viele erstaunte und fragende Blicke gab es Freitagabend in Greußen. Um 20:15 Uhr ertönte die Sirene und die Freiwillige Feuerwehr Greußen rückte mit Blaulicht und Martinshorn aus.
Was war passiert? Eine größere Gruppe Jugendlicher hatte auf dem ca. 30000 m² großen Gelände der "Alten Mosterei" auf dem Warthügel eine ausschweifende Party gefeiert. Es floss Alkohol in Strömen und Drogen wurden konsumiert. Eine Verpuffung des entzündeten Lagerfeuers löste dann das Chaos aus. Aus Angst vor der Polizei versteckten sich die verletzten und verwirrten Party-teilnehmer auf dem komplett unübersichtlichen und unwegsamen Gelände. So verkrochen sich 2 Beteiligte zum Beispiel in einem der verfallenen und verwinkelten Kellergänge.

Kein einfaches Szenario für die Einsatzkräfte also ....

Glücklicherweise handelte es sich hier nur um eine gemeinsame Großübung der Freiwilligen Feuerwehr Greußen, des gemeinsamen Katastrophenschutzzuges "Retten" der Feuerwehren Sondershausen, Greußen und Ebeleben, des DRK Sanitätszuges Sondershausen, des DRK Betreuungszuges Artern, des THW OV Sondershausen sowie der Rettungshundestaffel "RHS Teamdogs" aus Breitenworbis. Mit über 85 Einsatzkräften, 13 Rettungshunden sowie 24 Einsatzfahrzeugen war dies eine der größten logistischten Herausforderungen der letzten 10 Jahre.

Beim Eintreffen stellte die Feuerwehr Greußen sehr schnell fest, dass hier umfassende Unterstützung notwendig war. Somit wurden alle oben genannten Einheiten zeitlich versetzt nachalarmiert. Gerade am Anfang eines solchen Einsatzes sind umfangreiche Führungsaufgaben zu erledigen. Ein unverzüglich gebildeter Einsatzstab koordinierte ab sofort die Abläufe vor Ort, informierte den Bürgermeister Herr Rene‘ Hartnauer und die Presse, forderte die Polizei für Absperrmaßnahmen an und vieles mehr.

Auch die Einsatzkräfte hatten alle Hände voll zu tun. Während das THW damit begann das Gelände zu beleuchten und die Zufahrtswege von Ästen frei zu schneiden, bauten die DRK Helfer eine Übergabestelle für die Verletzten sowie zwei Zelte als Behandlungs- und Verbandplatzes auf. Die Feuerwehren suchten vorerst mit Handlampen nach den Personen. Und bereits nach 10 Minuten waren die ersten 3 verletzten Personen gefunden worden!

Der Einsatz der "Verletzten" wurde perfekt vorbereitet. Die Mehrzahl der Mimen stellte die Feuerwehr Clingen. Fachkundig von Heike Jülicher und Christoph Lemke vom DRK Kyffhäuserkreisverband an geschminkt und eingewiesen, zeigten sie ein filmreifes Szenario. Viele verschieden Verletzungen wurden dargestellt, vom Schädelbasisbruch über Knochenbrüche, Schnitt- und Platzwunden bis hin zu einer Wirbelsäulenverletzung. Die Dunkelheit und Temperaturen um die Null Grad stellten auch für die Mimen eine hohe Herausforderung dar. Vom Beginn ihres Einsatzes bis zum Auffinden durch die Rettungskräfte vergingen mehrere Stunden. Sie meisterten ihre Aufgabe mit sehr viel Mut und Durchhaltevermögen. Einen Oscar für sein schauspielerisches Talent verdiente sich Max Kranold aus Clingen. Er spielte einen alkoholisierten Partygast, der sich partout nicht retten lassen wollte. Hier mussten selbst die erfahrensten Helfer an Ihre Grenzen gehen, um ihn vor sich selbst zu schützen. Zusätzlich hatten die Helfer mit so mancher Überraschung zu kämpfen, denn während der Übung wurden auch noch 2 Feuerwehrleute bewusstlos.
Mit kritischen Augen beobachteten der Kreisbrandinspektor Peter Ortleb und die Landrätin Frau Antje Hochwind die Aktivitäten der Einsatzkräfte. Trotz vollem Terminkalender nahm sich unsere Landrätin über 2 Stunden Zeit. Mit großem Interesse ließ sie sich das Vorgehen der Einsatzkräfte erklären und sprach mit den Helfern. Im Ernstfall ist sie als Landrätin für die richtige Hilfe im Katastrophenfall verantwortlich und muss die richtigen Entscheidungen treffen. Somit war es Frau Hochwind wichtig, die Abläufe während einer Übung kennen zu lernen!

 

Die Suchhunde waren nach intensiver Vorbereitung gegen 21:20 Uhr einsatzbereit. Nachdem das Gelände vom THW freigegeben wurde, konnten diese mit Ihrem Einsatz beginnen. Zunächst wurde 5 Hunde mit ihren Hundeführer und jeweils 2 Feuerwehrkameraden (zur Unterstützung bei eventuell zu bergenden Personen) in das Schadengebiet geschickt. Die restlichen Hunde wurden vorerst zur Ablösung in Reserve gehalten. Es bot sich den Beobachtern ein beeindruckendes Bild wie die Hunde mit ihren rot oder blau leuchteten Westen im Schadensgebiet nach Verletzten suchten. Durch lautes anhaltendes Bellen machten sie auf den Fund einer verletzten Person aufmerksam. Die Hunde warteten solange bis ihr Hundeführer da war.

23:27 Uhr - nach über 3 Stunden intensiver Arbeit waren alle Verletzten gefunden, versorgt und abtransportiert. Unverzüglich räumten alle Helfer ihre Bereiche auf und verstauten die Ausrüstung wieder auf den Fahrzeugen. Im Stützpunkt der Feuerwehr Greußen warteten bereits warme Getränke und Bockwürstchen auf die Helfer. Mittlerweile weit nach Mitternacht gab es die erste Auswertung dieser Nachtübung. Einsatzleiter A.Sorber begann mit den Worten seines Vorgängers Peter Borkmann :"Es hat alles soweit gut geklappt...".

Natürlich wurden auch kleinere Mängel festgestellt. Zum Beispiel war man sich einig, dass die Kommunikation untereinander noch verbessert werden muss. Alles in allem war es dennoch eine sehr gelungene Übung mit sehr gutem Ergebnis. Und, darin waren sich alle einig, die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Komponenten lief hervorragend.
Ein ganz großes Dankeschön gebührt Rene' Schwara, von der Feuerwehr Greußen, für die umfangreiche und aufwendig Organisation der Übung. In Zusammenarbeit mit Zugführer Andreas Sorber, Michael Hannig vom THW, sowie Christoph Lemke vom DRK Sondershausen wurde viel Zeit in die Vorbereitung investiert.

Diese jährlich stattfindenden Übungen sind für alle beteiligten Helfer eine wichtige Grundlage ihrer täglichen Arbeit. Im Ernstfall müssen alle Handgriffe sitzen, alle Abläufe passen und die Zusammen-arbeit zwischen den Organisationen reibungslos funktionieren. Das man sich aufeinander verlassen kann, konnten sowohl die KAT-Schutz Einheiten der Feuerwehr, der DRK Sondershausen und Artern dieses Jahr beim Hochwasser in der Stadt Greiz beweisen. So konnten die Feuerwehreinheiten durch ihren Einsatz schlimmere Schäden an einem Kindergarten verhindern. Der DRK - Zug errichtete eigenständig eine Notunterkunft in einer Turnhalle in Greiz/ Pohlis und betreute dort bis zu 125 evakuierte Personen. Auch der OV des THW Sondershausen war im Einsatz. Hier wurde in Grimma die Führung mehrerer THW-, Feuerwehr- und Bundeswehreinheiten übernommen, sowie Beleuchtungs- und Räumarbeiten durchgeführt. Vom ersten Einsatz kaum zurück, ging es dann in einen Vorort von Leipzig, wo ebenfalls dringende technische Unterstützung gefragt war.


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